Das ist eine interessante Frage, die oft unterschätzt wird. Viele Menschen mit Sehproblemen ahnen nicht, dass ihre Nackenmuskulatur hierfür mitverantwortlich sein kann.
Der Körper ist ein System – nichts arbeitet isoliert
Die Augen, der Kopf und der Nacken sind über Muskeln, Faszien und Nerven eng miteinander verbunden. Wenn ein Teil aus dem Gleichgewicht gerät, wirkt sich das automatisch auf die anderen Teile aus.
Ein verspannter Nacken kann also das Sehen beeinflussen.
Wie hängen die Augen mit dem Nacken zusammen?
Zwischen Augen und Nacken bestehen wichtige Verbindungen:
- Über die Faszien: Die tiefen Bindegewebsschichten bilden ein kontinuierliches Netz. Die harte Hirnhaut setzt sich über die Schädelbasis bis in die Augenhöhle fort. Spannungen im Nacken können sich daher faszial übertragen – ähnlich wie ein Zug an einem Seil – und die Augenbeweglichkeit, den Augeninnendruck oder das Sehvermögen beeinflussen.
- Über die Nerven: Der Trigeminusnerv (der große Gesichtsnerv) und die Nerven der oberen Halswirbelsäule sind im Gehirn miteinander verschaltet. Deshalb können Verspannungen, Blockierungen oder Fehlstellungen im Nackenbereich Schmerzen auslösen, die Sie in der Stirn oder im Auge spüren – obwohl die eigentliche Ursache im Nacken liegt.
- Über Reflexe: Die Fühlsensoren in den Nackenmuskeln helfen mit, dass sich die Augen beim Kopfdrehen mitbewegen (Cervico-ocular Reflex = Nacken-Augen-Reflex). Bei Verspannungen im Nacken können diese Signale gestört sein – das kann zu unsicheren Augenbewegungen oder Schwindel führen.
- Über die Blutversorgung: Es ist auch möglich, dass starke Verspannungen im Nacken den Durchfluss kleiner Blutgefäße beeinflussen und so die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung von Kopf- und Augenregion beeinträchtigen können.
Was passiert, wenn der Nacken verspannt ist
Wenn man z.B. lange am Bildschirm sitzt, sich über das Handy beugt oder unter Stress steht, verkrampfen oft die Nackenmuskeln. Die dadurch verursachten Fehlhaltungen können einen Zug ausüben, der die Wahrnehmung im Kopfbereich verändern kann. Viele beschreiben Symptome wie:
- Druck oder Brennen hinter den Augen
- Müde Augen
- Schwindel oder Unsicherheit beim Blickwechsel
- Spannungskopfschmerzen, Migräne
- Sehstörungen
Die Augenmuskeln selbst versuchen meist, diese Spannungen auszugleichen – ein ständiges „Feinjustieren“ zwischen Sehen und Haltung. Das kostet Kraft und kann wiederum zu noch mehr Verspannung führen.
Was bedeutet das für die Augentherapie?
Eine Kontrolle, bzw. Behandlung der Nackenmuskulatur und Halswirbelsäule ist deshalb ein wichtiger Bestandteil der Augentherapie in meiner Praxis. Wichtig ist nicht nur, die Muskeln zu lockern, sondern auch die Ursache zu verstehen und zu behandeln.
Lesen Sie gerne andere Blogbeiträge von mir. In weiteren Artikeln beschreibe ich das Zusammenspiel der Augen mit dem restlichen Körper. Augentherapie bedarf einer gesamtheitlichen Betrachtungs- und Behandlungsweise.
Bei der individuellen Unterstützung und Beratung zur Augengesundheit stehe ich Ihnen gerne zur Seite. Zum gegenseitigen Kennenlernen vereinbaren Sie gerne ein kostenfreies Erstgespräch von 15 Minuten mit mir.