Ich habe vor einigen Monaten ein Reel auf Instagram gesehen – eine Schafwanderung.
Ähnlich wie mit Alpakas kann man mit Schafen spazieren gehen. In dem kurzen Video hüpfte ein Schaf fröhlich über einen Waldweg. In diesem Moment wusste ich: Das möchte ich unbedingt machen!
Und dann habe ich es wieder vergessen (wie so viele schöne Tiervideos auf Instagram).
Mein Geburtstagsgeschenk
Umso größer war meine Überraschung, als mir mein Mann eine Schafwanderung zum Geburtstag geschenkt hat. Ich habe mich wirklich wie ein Kind gefreut. Es mag vielleicht komisch klingen, aber genau das macht mir Freude: Zeit in der Natur, mit Tieren, der Familie und Freunden. Was braucht man mehr?
Und ganz ehrlich: Genau das ist es, was wir auch unseren Augen gönnen sollten.
Runterkommen
Die Schafe hatten keine Eile. Sie gingen langsam, blieben stehen, fraßen, gingen weiter. Das Tempo war sehr wichtig für mich. Ich habe mir vor ein paar Wochen den Fuß gebrochen und das Laufen mit den Krücken geht einfach nicht so flott. 😉 Während ich mitgelaufen bin, habe ich gemerkt, wie etwas in mir nachgelassen hat. Nicht plötzlich, eher ganz leise.
Die Gedanken wurden ruhiger. Der Atem tiefer.
Und irgendwann auch der Blick.
Ich habe nicht mehr versucht, etwas scharf zu sehen.
Ich habe einfach gesehen. Und gelächelt.
Das klingt vielleicht banal. Ist es aber nicht.
Denn im Alltag machen wir oft genau das Gegenteil. Wir fixieren, konzentrieren uns, wollen sehen. Die Augen sind im Dauereinsatz – Bildschirm, Handy, Fokus, Spannung. Und oft merken wir gar nicht, wie viel Anstrengung und Verspannung dabei entsteht.
Bei den Schafen war das anders.
Der Blick wurde weiter. Weicher.
Nicht weniger klar, sondern anders klar.
Und genau hier liegt etwas, das ich auch in meiner Praxis immer wieder beobachte:
Gutes Sehen beginnt nicht im Auge.
Es beginnt im Zustand des Körpers.
Die Augen spiegeln wider, was im Körper passiert und wie gut wir mit uns selbst umgehen.
Unter Spannung
Wenn der Körper unter Spannung steht, wenn das Nervensystem im „Tun-Modus“ ist, zeigt sich das auch im Blick. Er wird enger, angestrengter, manchmal auch unsicherer.
Erst in der Entspannung kann sich etwas verändern.
Verstehen Sie mich nicht falsch – Entspannung allein reicht in den meisten Fällen nicht aus. Sie ist jedoch ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu gesunden Augen.
Je mehr ich in meinem Körper ankomme, desto klarer wird auch mein Blick.
Vielleicht sollten wir also nicht immer nur versuchen, scharf zu sehen.
Vielleicht dürfen wir uns manchmal erlauben, einfach mit den Schafen zu gehen.
Langsamer. Ruhiger. Geerdeter.

Ganzheitlich
In meiner Arbeit erlebe ich immer wieder, dass die Augen Teil eines größeren Ganzen sind. Entspannung – körperlich wie innerlich, Verdauung, Nervensystem und innere Balance hängen eng zusammen. Und oft beginnt eine Veränderung genau dort, wo wir aufhören, etwas erzwingen zu wollen.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihre Augen mehr Ruhe brauchen oder Ihr Blick sich wieder klären darf, dann lohnt es sich, das Thema Entspannung in Ruhe anzuschauen.
Manchmal beginnt der Weg zu besserem Sehen ganz woanders, als man denkt.
Und manchmal … bei den Schafen.